Phase 1931 bis 1978


Bis zu Beginn der 1930er Jahre feierte die Gemeinde ihre Gottesdienste in einer Schulaula in der Koppenstraße 76, Friedrichshain. Diese hatte ca. 750 Plätze. Die Zahl der ständigen Gottesdienstbesucher war allerdings auf 900 Personen gestiegen, so dass es oft viele Stehplätze gab.

Nach langen Verhandlungen mit dem Magistrat wurde die Genehmigung für den Bau der Gemeinde Ost in der Normannenstraße 20 erteilt. Der Bau dauerte ein Jahr und war 1931 fertiggestellt. Dabei handelte es sich um einen Putz- und Klinkerverblendbau, der sich gut zwischen den benachbarten Wohnhäusern (Bruno Taut, Baujahr 1927-1928, nach Grundsätzen der Reformbewegung im Wohnungsbau der 1920er Jahre, „Licht, Luft und Sonne“), und dem Gebäude des zeitgleich errichteten Finanzamtes (1930-1932) einfügte.

Der Entwurf stammte von Dipl.-Ing. August Nerlich. Er war ein Berliner Architekt und ab 1929 Magistratsoberbaurat.

Die Kirche hatte ca. 1.000 Plätze

Am 2. August 1931 erfolgte die Einweihung.

Die Kirche war dabei so überfüllt, dass kein Abendmahl gefeiert werden konnte. [1]



Kirchengebäude der Gemeinde Berlin-Ost 1932.

Eingangsbereich


1937 hatte die Gemeinde 1.316 Mitglieder.



1946: Gottesdienst mit Apostel Landgraf


1946 hatte die Gemeinde 1.530 Mitglieder.


In den 30/40er Jahren veränderte sich die Innengestaltung der Kirchen. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren durchaus Weinkelche und Altarbilder üblich.

Weit verbreitet waren bildnerisch ausgeschmückte oder stilisierte Darstellungen der über dem Wasser aufgehenden Sonne mit dem Kreuz, sozusagen Vorläufer des Emblems, aber auch idealtypische Landschaften und biblische Szenerien. [2]

Festgottesdienst 1948: Blick auf die Chorempore und Orgel.

Festgottesdienst 1948 – Blicke in die Gemeinde.


1956 wurde die Kirche renoviert, der Spruch hinter dem Altar wich einer bildlichen Darstellung des kirchlichen Zeichens.

Gemeinde in Erwartung im Oktober 1967.

Oktober 1967: Gemeinde und Chor vor dem Gottesdienst.


1968 erfolgte die Umbenennung der Gemeinde „Berlin-Ost“ in „Berlin-Lichtenberg“.

Die Gemeinde hatte 1.505 Mitglieder.


Schulchor 1968 mit internationalen Gastaposteln

Im Juni fand eine internationale Apostelversammlung in Dortmund statt.

Einige ausländische Apostel reisten danach in die damalige DDR und nahmen an den beiden Festgottesdiensten in der Kirche Treptow teil.


Dazu zählten

Jeremiah Kaputengi Njamba – damals Nordrhodesien (heute Sambia),

Frederico Lewitus – Uruguay

John William Fendt sen. – USA

Hendra Tansahsami – Indonesien

Raden Yusak Wargomartoyo - Indonesien


Im Anschluss daran fand am 20.06.1968 ein festliches Schulchorsingen in der Kirche Berlin-Lichtenberg statt.


Der Schulchor beginnt.


Nach der Renovierung 1970: Blick von der rückwärtigen Empore zum Altar.

Nach der Renovierung 1970: Sicht auf die rückwärtige Empore, die vollständig vom Gemeindechor genutzt wurde.


Bereits in den 60er Jahren gab es Vorstellungen im MfS, die Gemeinde umzusiedeln. Bereits 1968 wurde eine erste Studie vorgelegt. Auf Preisbasis 1967 wurde eine Investitionssumme von 5,8 Mio. Mark der DDR ermittelt.



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Lageplan: Der neue Standort sollte sich auf dem Grundstück Ruschestraße 43, ca. 500 Meter von dem bisherigen entfernt, befinden.

(„Objekt NG“ – NG steht für Neuapostolische Gemeinde)


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[3]


Der Studie wurde seitens der Kirche zugestimmt, ein Bauentwurf sollte zeitnah folgen.

Nachdem es mehrere Jahre ruhig um das Thema wurde, gab es erst im April 1974 eine neue Studie vom VEB Montagebau Berlin. Der neue Entwurf sah eine Ausführung in Plattenbauweise an gleicher Stelle vor. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt der bisherige Standort in der Ruschestraße hinfällig, da das vorgesehene Grundstück bereits für anderweitige Zwecke des MfS vorgesehen war.


Im Folgenden wurden Standorte u.a. am Stadtrand vorgeschlagen, z.B. in Mahlsdorf. Dies wurde seitens der Kirche als unannehmbar zurückgewiesen.


Damit war die Standortfrage wieder offen, seitens des MfS sollten Möglichkeiten zwischen Ostkreuz und Zentralviehhof liegen. Nach einer Notiz der Verwaltung für Rückwärtige Dienste des MfS sollten die Wünsche der Neuapostolischen Gemeinde in Bezug auf den Standort möglichst erfüllt werden, um keine negativen Diskussionen aufkommen zu lassen. [4]

 

1976 wurde ein Grundstück am Münsterlandplatz angeboten, welches seitens der Neuapostolischen Kirche angenommen wurde. [3]


Auf dem Grundstück befand sich bislang eine Kleingartenanlage. Das Grundstück gehörte dem Gesamtverband der katholischen Kirchengemeinden Berlin. Mit Kaufvertrag vom Juni 1978 erfolgte der Übergang in das Volkseigentum, die Art der Nutzung hieß Sonderbauvorhaben Objekt „NG“.


Das zuständige Bezirksbauamt ermittelte mit Bewertung zum 22.11.1976 für das Grundstück Normannenstraße 20 einen Entschädigungswert für die Flurstücke incl. sämtlicher Bauten und Einrichtung von 3,3 Mio. Mark der DDR.


Mit Vertrag vom 30.01.1979 erfolgte der Grundstückstausch Normannenstraße - Münsterlandplatz. [5]



Im Juni 1977 bat der Fotograf der Kirchengemeinde um die Möglichkeit des Fotografierens der Neuapostolischen Kirche in der Normannenstraße, die im Zuge der Erweiterung des MfS abgerissen wird. Im gegenseitigen Einverständnis wurden die folgenden Farbfotos von einem Fotografen der Bildstelle des MfS angefertigt und im Juni 1977 dem Gemeindefotograf übergeben. [Schreiben v. 28.06.1977] [6]


Blick von der Normannenstraße, der linke Gebäudeteil trägt hinter der oberen Fensterreihe die Seitenempore, rechts vorn sind drei Wohnungen, der überragende Gebäudeteil beherbergte den Gesangsaal mit Dachterrasse.

Links der Grundstücksgrenze befindet sich die Zufahrt zum Gelände des MfS.

Linke Seite der Kirche,

im halbrunden Anbau befand sich die Sakristei, im Vorbau am Langhaus war die linke Seitenempore.

Links im Hintergrund die Wohnhäuser von Bruno Taut.


Rechte Seite der Kirche, Teil des Gartens, im linken Gebäudeteil sind im unteren Bereich die drei Wohnungen erkennbar, darüber befand sich der Gesangssaal.


Diese Fotos wurden zur Erinnerung an die Gemeindemitglieder verteilt und dürften noch heute in etlichen Schubfächern zu finden sein.

 

 

Bezirksapostel Pusch hielt seinen letztmaligen Gottesdient im Kirchengebäude Normannenstraße am Sonntag, den 17. Dezember 1978.

Die Gemeinde hatte 1.585 Mitglieder. [1]


Schwarz-Weiß-Aufnahme vom Abriss der Bruno-Taut-Wohnhäuser an der Normannenstraße in Berlin-Lichtenberg. Im linken unteren Bildabschnitt ist ein großer Schutthaufen abgebildet. In der Bildmitte ist übrig gebliebenes Teil eines Taut-Wohnhauses zu sehen, das gerade in sich zusammenzufallen scheint. Große Risse befinden sich an den Wänden. Rauch dringt von unten nach oben sowie aus den Fenstern. Im Hintergrund sind weitere Wohnhäuser abgebildet. Bei dem Haus am linken Bildrand handelt es sich um ein weiteres Gebäude des Architekten Bruno Taut. Rechts unten im Bild ist die Fassade der neuapostolischen Kirche zu sehen. An der Wand ist ein Kreuz angebracht. [7]

1979: Vorbereitung der Sprengung. Im linken höheren Gebäudeteil waren drei Wohnungen, darüber der Gesangsaal. Der Vorbau am Langhaus beinhaltete die rechte Seitenempore.

Wenige Tage nach dem Auszug der letzten Mieter aus dem Wohnhaus wurde die Kirche im April 1979 gesprengt.

Die in unmittelbarer Nachbarschaft liegenden Taut-Wohnhäuser waren bereits abgetragen.

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Quellen

[1] Gemeindechronik

[2] Andreas Vöhringer: Bilder aus der Vergangenheit - 150Jahre Neuapostolische Kirche, S. 39

[3] BArchiv VRD Nr. 3 10448

[4] BArchiv MfS VRD 7626

[5] BArchiv MfS Liegenschaften Nr. 2855

[6] BArchiv, MfS, HA XX/4 Nr. 3003

[7] BStU - https://www.stasi-mediathek.de/medien/abriss-der-bruno-taut-wohnhaeuser-zur-vorbereitung-des-baus-von-haus-18/blatt/9/

https://www.stasi-mediathek.de/suche/